Britta und Seb on Tour

01.11. - 06.11.2016 Uruguay

05.11. - 06.11.2016
Von Colonia del Sacramento ueber Fray Bentos nach Argentinien

Nach einem gemuetlichen Fruehstueck mit Blick auf den Rio Plata verabschieden wir uns von Colonia del Sacramento. Eine Mittagspause in Carmelo und eine Eispause in Nueva Palmira verschoenern uns die doch recht eintoenige Strecke nach Fray Bentos. Die Zusammenfassung der Wegbeschreibung: "Noch 20 km, dann eine Rechtskurve und dann nochmal 60 km geradeaus". Uruguay ist flach soweit das Auge reicht und links und rechts der Strasse grasen die Rinderherden. 








endlich kommt die Haengematte zum Einsatz


schoener Stellplatz unterhalb der Fabrik in Fray Bentos



Am naechsten Morgen besichtigen wir das Industriemuseum in Fray Bentos, das in diesem Jahr von der Unesco in die Liste der Weltkulturerbestaetten aufgenommen wurde: 

Justus von Liebig war der Erfinder des Backpulvers, des Chloroforms und des Mineralduengers. Aber er experimentierte auch mit tierischen Fetten und Fleisch. Er entwickelte einen Prozess bei dem durch Waessern und Reduzieren von Rindfleisch zuerst ein sirupartiges "Fleischextrakt" entstand und am Ende ein Pulver, das aufgegossen und gekocht werden konnte - damit war der Bruehwuerfel geboren. 

Um ein Kilo seines Extrakts herzustellen, benoetigte Liebig 32 kg bestes Muskelfleisch vom Rind. Das machte sein Produkt in Deutschland fast unbezahlbar. Der deutsche Ingenieur, Georg Christian Giebert, der Strassen in Brasilien baute, half ihm dieses Problem zu loesen. Auf dem Hafengelaende in Fray Bentos gab es eine große Salzfleischfabrik. Dort sah Giebert, dass tausende von Rindern nur wegen weniger Filetstuecke, ihrer Haeute, Hoerner und Knochen geschlachtet wurden und der weitaus groesste Teil des Fleisches als Abfall angesehen wurde. Da die Eismaschine für Kuehltransporte noch nicht erfunden war, konnte man Fleisch nur nutzen, indem man es an Ort und Stelle frisch verarbeitete. Er reiste nach Muenchen, kaufte und probierte den Extrakt und schlug Liebig vor, in Uruguay eine Fleischextrakt-Fabrik zu gruenden. Giebert besorgte das Startkapital und liess in England die noetigen Maschinen bauen. 1862 wurden das erste Fleischextrakt in Uruguay hergestellt. 1864 kamen 23 t Extrakt aus der Fabrik und 1871 waren es bereits 421 t. Im Jahr 1908 erreichte die Produktion ihren Hoechststand. In diesem Jahr  wurden 224 406 Rinder geschlachtet. 1913 waren in "Fray Bentos" 4000 Arbeiter aus der ganzen Welt beschaeftigt. Die geringen Herstellungskosten in Uruguay machten den Extrakt nun fuer jedermann erschwinglich: Er wurde ein wichtiger Beitrag zur Bekaempfung des Hungers und der Mangelernaehrung im beginnenden Industriezeitalter. Zudem diente er den Soldaten im Krieg als Nahrungsmittel. Aus dem verbrauchten Fleisch wurden weitere Produkte wie zum Beispiel "Corned beef" produziert. Bei der Fuehrung sagte der Guide: Bis auf das "Muhen" konnten hier 100% der Rinder verarbeitet werden. Im Oktober 1979 stellte die Fabrik ihre Taetigkeit ein. 

 


Frueher das Verwaltungsgebaeude - heute ein Museum



     
Blick zwischen Schlachthaus und Weiterverarbeitung
und
Foerderband mit dem die Rinderhaelften zur Weiterverarbeitung transportiert wurden.


Schaltanlage der 32 Hallen





Am spaeten Nachmittag ueberqueren wir ohne Probleme die Grenze nach Argentinien und uebernachten in Gualeguaychu auf dem Campingplatz Puerto del Sol.

02. - 04.11.2016
Von Montevideo nach Colonia del Sacramento

Wir haben eine sehr geruhsame erste Nacht in unserem rollenden Zuhause am Leuchtturm in Montevideo verbracht. Draussen stuermte es heftig und stellenweise hatten wir das Gefuehl auf einem Schiff zu schlafen, trotzdem haben wir gut geschlafen.


Entlang der Ramblas - unser Bus wird mit einer Salzschitt ueberzogen und muss spaeter in die manuelle Waschanlage

Montevideo haben wir nach dem Fruehstueck auf der Ruta 1 in Richtung Westen verlassen um uns zuerst San Jose de Mayo anzuschauen. Hier gab es leider keine geoeffneten Sehenswuerdigkeiten, was wohl am Feiertag lag. 


Wir versorgen uns unterwegs mit leckerem Kaese

Nach einem Kaffee ging es weiter nach Nueva Helvecia, eine kleine Stadt, die durch Fluechtlinge aus der Schweiz 1862 gegruendet wurde. Der Versuch hier zu tanken war ein halber Staatsakt. Von mehreren erfahrenen Autoreisenden darauf hingewiesen, haben wir den Aufkleber „Diesel, Nafta“ auf den Tankdeckel geklebt, damit kein Tankstellenbeschaeftigter in Suedamerika Benzin in unser Auto fuellt. Das sorgte fuer Verwirrung. Wenn Nafta in einigen Laendern Diesel bedeutet, so bedeutet es in Uruguay Benzin. Also stand nun Diesel und Benzin auf unserem Tank. Der Mitarbeiter war verwirrt: Die Bezeichnung Diesel kennt er nicht, er hatte nur Nafta und Gasoil zur Verfuegung. Dann wollte er wissen woher der letzte Diesel stammt. Naja, Luxemburg, was nicht weiterhalf. Sebastian machte die Gefuehlsprobe: Benzin ist fluessig und Diesel ist schmierig. Demnach konnte es nur Gasoil sein. Wifi und Google haben das bestaetigt. Nafta ist in Uruguay Benzin. Aber so einfach ging es nicht weiter. Alle Tankstellenmitarbeiter und andere Kunden wurden um den Bus versammelt und Sebastian musste den Motor starten. Aus dem Nirgendwo kam noch ein selbsternannter Fachmann, nochmal starten und noch ueberpruefen ob wir nicht vielleicht zwei Tankoeffnungen haben, um beides zu tanken (?!). Danach waren sich alle einig: Wir brauchten Gasoil. Nach dem Tankvorgang hat der nette Mitarbeiter noch Gasoil-Aufkleber besorgt und unseren Nafta-Aufkleber ueberklebt. Zur Sicherheit kam noch ein weiterer Sticker neben den Tankdeckel. In Zukunft kann nichts mehr schief gehen....angeblich soll Diesel in ganz Suedamerika Gasoil heissen. Dabei hatte man uns erst in Argentinien gesagt, das Diesel Nafta ist - man muss alle Infos ueberpruefen :-)

Voll getankt ging es weiter nach Colonia de Sacramento, wo wir einen sehr idyllischen Stellplatz am Meer gefunden haben. Die Stadt ist sehr gemuetlich, insbesonderen nachdem die Tagestouristen aus Buenos Aires bereits abgereist sind. 

Colonia del Sacramento wurde 1680 von Don Lobo im Auftrag des Prinzregenten Pedro II. von Portugal, gegruendet. Pedro II. wollte an der Kueste des Rio de la Plata einen Brueckenkopf zur Verteidigung seines Reiches anlegen lassen. Im Jahr 1718 gab es in Colonia del Sacramento 1400 Einwohner einschließlich Sklaven und Indianer. Anfang des 17. Jahrhunderts bluehte die Stadt auf, Kultur und Handel wurden ausgebaut. Der Hafen erwarb eine Schluesselstellung im Handel mit den umliegenden Staaten in Suedamerika. Am 10. Oktober 1968 wurde von staatlicher Seite eine Erhaltung und weitgehende Restaurierung des kolonialen Altstadtkerns festgelegt. 1995 wurde die Altstadt von Colonia del Sacramento durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklaert.






Die Skyline von Buenos Aires

Am naechsten Morgen erwartet uns strahlender Sonnenschein und ein wolkenloser Himmel. Colonia del Sacramento ist so schoen und wir entscheiden uns, noch einen Tag zu bleiben. Die Menschen sind hier trotz der Touristenscharen, die sich tagsueber durch die Gassen quetschen, unheimlich freundlich. Morgens winken uns die Angler und halten den „Daumen hoch“, der Mann der den oeffentlichen Rasen maeht, freut sich uns zu sehen und der Restaurantbesitzer von gegenueber gesellt sich waehrend der Mittagszeit zu uns und erklaert, dass er in den 25 Jahren, seit er das Restaurant hat noch nie so ein schoenes Auto gesehen hat. Und vom Grill ist er ohnehin begeistert - wir von unseren Burgern mit Grillkaese auch :-)


unsere Stellplatz fuer drei Naechte




Calle de los suspiros




 

Am naechsten Tag begruessen uns die Hunde von Christiane beim Fruehstueck. Wir kommen darueber mit ihr ins Gespraech. Sie hat sich hier einen Traum erfuellt: Haus gekauft, restauriert, Moebel aus der Schweiz importiert und nun betreibt sie seit einem Jahr ein Hostel mit 3 Doppelzimmern. Wir folgen der Einladung zum Kaffee sehr gerne und wir sind sehr begeistert von ihrem Hostel. Mit riesiger Liebe zum Detail hat sie hier einen Ort geschaffen, an dem man sich wie Zuhause fuehlen kann. Wer also ein einzigartiges Hostel in Colonia sucht: Remus-Art Hostel. Wir druecken ihr die Daumen  - hoffentlich werden die Zimmer immer ausgebucht sein.

 Spaeter im Supermarkt treffen wir Frank, der seinen Landrover am gleichen Tag im Hafen abgeholt hat wie wir. Er parkt neben uns am Strand und wir quatschen bis tief in die Nacht hinein. Mit seinem Landrover hat er die halbe Welt bereits und die naechsten Reisen sind schon geplant.

 

01.11.2016
Montevideo - unser Bus kommt an
 

Heute Morgen sind wir ganz frueh ins Buero von Grimaldi gefahren, um dort unsere Bill of Lading abzuholen. Wir waren nicht die einzigen Wohnmobil-fahrer. Mit uns standen an dem Tag 15 Wohnmobile auf der Liste, die den Hafen verlassen wollten. (Normalerweise sind es ca. 50 Wohnmobile pro Quartal). Wir sind von Stelle zu Stelle geschickt wurden, wo wir Papiere und Stempel einsammeln mussten und natuerlich auch Gebuehren zahlen mussten. Leider war das Wetter heute alles andere als schoen - es hat aus Eimern geregnet und dementsprechend waren wir durchnasesst. Bis dahin lagen wir sehr gut in der Zeit, wir waren erst 2,5 Stunden unterwegs und hatten schon fuenf der sechs Stationen erledigt, und das ohne Agent. Doch dann kam ein Computersystemabsturz dazwischen, bei dem wir weitere 2,5 Stunden mit den nassen Kleidern ca. 30m entfernt von unserem Auto warten durften (vielleicht war es auch die Mittagspause des Hafenpersonals, die uns nur anders verkauft wurde). Nachdem das System wieder funktionierte und die Papiere ausgestellt waren, fuhren wir unseren Bus aus der Lagerhalle zur Inspektion beim Zoll. Hier war aber gerade Kaffeepause und wir nutzen die Wartezeit, um schon mal alle Dinge an ihrem Bestimmungsort zu befestigen: Sandbleche an die Seite, Reifen hinten dran, Dachgepaecktraeger mit Ersatzkanister und Werkzeugbox aufs Dach ....Die anschliessende Zollpruefung bestand nur aus einem Spaziergang um unser Auto, verbunden mit der Nachfrage nach der Anzahl der Ersatzreifen. Das war es und wir fuhren fuenf Minten spaeter aus dem Hafen.

Nun stehen wir am Strand beim Leuchtturm und lassen uns den wohl verdienten Wein schmecken.
 

der stuermische Stellplatz






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