Britta und Seb on Tour

Fazit

Nach 379 Tagen, wovon wir 344 mit unserem Bus gereist sind, sind wir nun auf dem Rueckweg nach Deutschland. Wir sind durch sechs Laender gefahren, haben 38.001 km auf sehr guten und sehr schlechten Strassen verbracht.

Was hat die Reise gebracht? Zuerst muss man sagen, dass die Reise keine Krise bewaeltigen sollte und kein Selbstfindungstrip war. Es war einfach nur die Neugierde nach anderen Laendern und anderen Kulturen. Natuerlich sind wir nun um viele Erfahrungen und Eindruecke reicher, aber ganz sicher koennen wir sagen „einmal  deutsch – immer deutsch“. Vermutlich wuerden wir uns nie an den flexiblen Reparaturstil der Suedamerikaner gewoehnen. Ein bisschen Ordnung und Sorgfaeltigkeit im Detail verlernt man nach einem Jahr nicht. Viele Dinge sind in den Laendern besser als in Deutschland und viele sind schlechter – vielleicht ist es einfach anders. Wir sind nicht als Weltverbesserer gestartet und einige Dinge werden wir auch nie verstehen:

  • Warum ueberholt uns der Minibus in der Ortschaft, um uns auf den naechsten zehn Metern mit defektem Bremslicht auszubremsen, weil Fahrgaeste aussteigen?
  • Warum sagt uns der Beamte 1, dass wir vom Pass zwei Kopien brauchen zur Verlaengerung der Aufenthaltserlaubnis, wenn der Beamte 2 (10 m entfernt) sie in den Muell wirft?
  • Warum sagt man uns bei der Suche nach bestimmten Dingen immer „mas arriba“ (weiter oben) wenn man keine Ahnung hat, ob ein anderer Laden die Sachen hat.

Auf der anderen Seite sind viele Sachen sooo einfach:

  • In jeder Werkstatt wurde sofort alles stehen und liegen gelassen, um uns zu helfen. Wenn man keine Ahnung hatte, kannte man jemanden mit Ahnung.
  • Warum trifft man immer die freundlichsten Leute in den einfachsten Lebensverhaeltnissen, arme Menschen, die mit uns ihr Essen teilten, um uns eine Freude zu machen.
  • Viele fuehlten sich fuer unsere Sicherheit verantwortlich, wenn wir neben ihrem Haus geparkt hatten und passten auf unser Auto auf, wenn wir wandern waren.   

Auch wenn wir nicht immer den Hintergrund verstanden haben, fuer die Menschen vor Ort gab es sicherlich einen und wenn nur „das haben wir schon immer so gemacht“.

Die Reise war gepraegt vom staendigen Wechsel, dem Einstellen auf neue, nicht immer leichte Situationen. Viele Tage hielten Ueberraschungen fuer uns bereit, meistens sehr gute aber manchmal auch schlechte. Anstrengend wurde es nur, wenn der Bus mal wieder Laute von sich gab, die nicht im Sinne des Erfinders waren. Damit sank gleichzeitig Sebastians Laune und es bedurfte vieler aufmunternder Worte. Kurzfristig ernstgemeinte Aussagen wie „ich will nichts mehr reparieren – wo ist der naechste Flughafen“ hatten schon keine Gueltigkeit mehr, wenn wir  am Abend wieder mal an einem wunderschoenen Stellplatz in der Natur standen.

Ueber die Streckenplanung haben wir uns viele Gedanken gemacht. Man erhaelt so viele Infos von anderen Reisenden, die man leider nicht alle umsetzen kann. Wir haben gelernt, dass die Reise immer interessant ist, egal wie man faehrt. Und wenn man sich ueber leere Gasflaschen aergert und 650 km Umweg fahren muss, um sie zu fuellen, so hat jeder Umweg seine gute Seite … El Nino hat uns nicht aufgehalten und die meisten Erdrutsche waren beseitigt als wir zwei Monate spaeter als urspruenglich geplant in Peru einreisten.

Das Reisen mit dem Wohnmobil hat sich als „unser Ding“ entpuppt. 5m2 moegen am Anfang klein und einengend erscheinen, aber mit jedem Tag kommt einem der Wohnraum groesser vor. Wir moechten kein groesseres und kein kleineres Auto. Nach ein paar Wochen konnten wir die Zeit, die wir mit Hin-und herraeumen verbachten, reduzieren. Wir hatten uns gut organisiert. Es kam uns wie ein Privileg vor, wenn man vom schoen gedeckten Esstisch gleichzeitig die Kueche bedienen kann und nicht aufstehen muss, wenn noch was fehlt. Egal wie schlecht das Wetter manchmal war, wenn es stuermte und regnete, wir hatten immer einen warmen sehr bequemen Platz. Es ist so befreiend einfach dort anzuhalten wo es schoen ist, dort eine Pause zu machen, wo jeder andere Reisende nur im Bus vorbeigefahren wird. Wir besuchten viele Sehenswuerdigkeiten alleine und bevor andere  Touristengruppen eintrafen und wir blieben noch lange, wenn die Gruppe nach kurzer Besichtigungszeit wieder im Bus sass. In unserem kleinen Zuhause fuehlten wir uns wohl und deshalb koennten wir noch ein paar Jahre so weiterreisen.

Kaum hatten wir den Bus im Hafen in Montevideo abgegeben, fuehlten wir uns „nackt“ und gleichzeitig schwer bepackt mit unserem Gepaeck.

Was wir erlebt haben, kann uns keiner mehr nehmen – die unterschiedlichen Landschaften, die atemberaubende Flora und Fauna, die netten Begegnungen mit den Einheimischen und die vielen interessanten Gespraeche mit anderen Reisenden haben fuer ein unvergessliches, erlebnisreiches und wunderschoenes Jahr gesorgt.






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